Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Pokrent: Jüdin Rosemarie Dessauer im Pfarrhaus versteckt

1. Oktober 1944

Bekennende Kirche Judenrettung Widerstand aus der Evangelischen Kirche

Die Jüdin Rosemarie Dessauer wurde 1923 in Berlin geboren. Ab März 1943 versteckte sie sich bei einer Freundin der Familie. Nachdem im Juni 1943 ihre Mutter und ihr Bruder nach Auschwitz deportiert wurden begann ihre Odyssee.  Johannes Schwarzkopff, Pfarrer an der Berliner Immanuelkirche und zuvor Vorsitzender der Bekennenden Kirche[1] in Mecklenburg sorgte dafür, dass sie dort von Pfarrhaus zu Pfarrhaus weitergereicht wurde. Johann Peter Wurm schreibt: „Im Oktober 1944 kam sie ins Pfarrhaus Pokrent, wo sie vier Wochen im Haushalt von Gerda Voß verbrachte. Pastor Gerhard Voß war seit 1940 im Krieg. Vom Pfarrhaus Pokrent wechselte Rosemarie Dessauer für die nächsten Wochen ins Pfarrhaus Belitz, zu Schwager und Schwägerin von Gerda Voß, Martin und Anni Voß. Das Verstecken sog. ‚Volljuden‘ wurde mit den schärfsten Strafen verfolgt. So erfuhren selbst die Kinder des Pfarrhauses erst nach dem Krieg, daß es sich bei jener dunkelhaarigen jungen Frau, die sie ‚Tante Maria‘ nannten und welche sie im Gegenzug liebevoll als kleine ‚Drachen‘ betitelte, um eine sogenannte ‚Volljüdin‘ gehandelt hatte. Weitere Stationen der jungen Frau waren die Pfarrhäuser der Brüder Timm: Reinshagen, Kessin und Neubrandenburg. Pastor Ingmar Timm, Sohn von Marie Luise und Dietrich Timm, erinnert sich: ‚Ich mußte Rosemarie Dessauer (damals Frl. Schulz) im Pfarrgarten Kessin begleiten, ich habe bis heute die drohenden Worte meines sonst so friedlichen Vaters nicht vergessen: ‚Niemand darf euch sehen, dann sind wir alle verloren’. Die Befreiung im April 1945 erlebte Rosemarie Dessauer in Kühlungsborn im Hause des Vaters der drei Brüder, Kirchenrat i. R. Karl Timm.“[2]

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/...

[2] http://www.kulturwerte-mv.de/c...