Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Rostock: Fachschülerin verteilt Flugblätter im Hansaviertel

12. Februar 1988

Flugblatt Jugendopposition Öffentliche Losungen Liebknecht-Luxemburg Demonstration Frauen

Eine zwanzigjährige Fachschülerin begann in der Nacht zum 12. Februar 1988 damit Flugblätter im Hansaviertel zu verteilen. Sie brachte „‘5 Handzettel mit dem Text ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘ mit Reißzwecken im Wohngebiet rund um die Waldemarstraße an. In den folgenden Wochen verteilte sie des Nachts weitere Flugblätter. Diesmal half ihr ihr Bruder, den sie in ihr Vorhaben eingeweiht hatte. In der Nacht zum 5. März fand die Polizei, ‚in den Straßen des Hansaviertels [...] 58 Handzettel‘. Die Texte auf den zumeist 5 x 8 cm großen Flugblättern lauteten ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘,  ‚Für die Abschaffung aller Waffensysteme‘, ‚Freiheit auch für Andersdenkende‘ und ‚Achtung — Bitte verwenden Sie auch eigene Losungen zum 1. Mai‘. Ein Zettel enthielt die Fragen, ‚Wo bleibt bei uns die Meinungsfreiheit?‘ und ‚Warum darf Wera Wollenberger jetzt 1 Jahr in England studieren u[nd] danach in die DDR zurückkommen?‘ In der Nacht vor ihrer Verhaftung, am 29. April, ‚legte sie 17 [...] [weitere] Zettel [...] im Stadtgebiet von Rostock ab‘.[1] Bereits zuvor hatte sie zehn anonyme Briefe an Zeitungsredaktionen sowie Partei- und Bezirksstellen verschickt. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

[1] Halbrock, Christian: „Freiheit heißt, die Angst verlieren“ Verweigerung, Widerstand und Opposition in der DDR: Der Ostseebezirk Rostock, Göttingen 2014, S. 499.