Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Grabow: Pastor Heinz Eggers findet deutliche Worte zur Brüsewitz-Selbstverbrennung

29. August 1976

Brüsewitz Selbstverbrennung Opposition in Evangelischer Kirche

Ein Grabower berichtete am 29. August 1976 dem Rat des Kreises Abteilung Inneres über einen Gottesdienst, der eine Woche nach der Selbstverbrennung von Pastor Oskar Brüsewitz stattfand. Rund 40 bis 50 Personen lauschten Pastor Heinz Eggers, der (mit den Worten des Berichtenden)  in Bezug auf Brüsewitz folgendes sagte. „‘Wir schließen Pastor Brüsewitz in unsere Fürbitte mit ein‘. Die Verlesung erfolgte nicht von der Kanzel, sondern im Altarvorraum. In der Predigt von der Kanzel selbst, ergab sich aber noch ein bestimmter Ansatzpunkt zur Politik. In Stichpunkten: Eine Geschichte von König David. Dieser nimmt sich ein fremdes Weib. Deren Mann ist Offizier bei David. David läßt ihn durch eine Intrige beseitigen. Ein göttlicher Gesandter (Nathan) stellt David zur Rede. David bekennt seine Schuld, obwohl er die Möglichkeit der Beseitigung auch des göttlichen Gesandten gehabt hätte. Bezogen auf die heutige Zeit meinte Pastor Eggers u.a., daß es dazu im Gegensatz heute noch Machthaber gäbe, die eine Schuld nicht bekennen und eine Möglichkeit der Beseitigung des göttlichen Gesandten oder unbequemen Mitwissern nicht auslassen würden.“[1]



[1] Information, 29.8.1976, Kreisarchiv Ludwigslust, Abt. Inneres Kirchenfragen 1220