Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Stralsund: Erstes Friedensgebet

12. Oktober 1989

Friedensgebete

Ursula Kaden erinnert sich an den Beginn der Friedensgebete in Stralsund: „12. Oktober. Abends im Jakobiturm. Erste gemeinsame Vorbereitung des Friedensgebetes. Die Jakobikirche, die kleinste der drei großen Kirchen, war gut geeignet. Sie lag in der Mitte der Altstadt, war öffentlicher als ein Gemeinderaum, gut sichtbar, für alle zu finden. Und ihr Turm hatte geeignete Räume für Gruppen aller Art. … Groß war die Runde, fast so groß wie der Halbkreis beim ersten Montagsgebet. Liane saß neben mir, schaute reihum und wunderte sich: „Wer da jetzt alles mitmacht?" Sie sah mich fragend an. Und alle hatten was zu sagen. Einer erzählte noch von dem Polizeiauto vor der Nikolaikirche. „Wie die geguckt haben. Aber ich bin da stur dran vorbei." Und wen sie da gesehen hätte, sagte eine. Nie hätte sie gedacht, dass die kämen. Andere hatten erfahren, dass es auch in Stralsund knapp gewesen wäre. Dänholm, Marine, Kampfgruppen, Polizei. Viel hätte nicht gefehlt. … Nicht jeder traute sich, da zu stehen und zu reden. Da gäbe es doch auch Ängste und Hemmnisse. Aber die Leute sollten doch die Gewissheit haben, dass sie zu Wort kommen. Vielleicht eine Vertrauensperson benennen, der man sein Anliegen dann sagen könne.“[1]

[1] Kaden, Ursula: Dazwischen. Die kleine Seite der Friedlichen Revolution, Rostock/Bargeshagen 2015, S. 136ff.

Hier wird nur ein Text ausgegeben …