Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin: Kirchliche Umweltgruppe institutionalisiert die unabhängige Umweltarbeit

1. Januar 1988

Ökogruppen Umweltseminare Mobil ohne Auto Umweltschutz

 

Die Kirchliche Umweltgruppe in Schwerin 1985 bis 1991

 

Von Annette Beleites

 

Annette Beleites studierte von 1978 bis 1984 in Leipzig Biologie und kam in dieser Zeit in Kontakt mit der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung in der DDR. Diese Bewegung hatte sich ab Ende der 1970iger Jahre vor allem in Basisgruppen in den verschiedenen evangelischen Landeskirchen organisiert.

 

Nach ihrem Studium zog sie 1984 nach Schwerin und initiierte hier eine Ökologiegruppe, die auf die weiterhin zunehmenden regionalen und überregionalen Umweltprobleme in der DDR mit vielfältigen Aktionen aufmerksam machte. Außerdem beteiligte sich Annette Beleites an verschiedenen lokalen und DDR-weiten Netzwerken der Umwelt- und Friedensbewegung. Die Schweriner Ökologiegruppe wirkte unter dem Dach der Kirche bis Anfang 1990 und danach als eigenständige Umweltgruppe innerhalb der Grünen Liga.

 

Die Schwerpunkte der Umweltgruppe bildeten zeichenhafte Aktionen wie z. B. Mobil ohne Auto und die Baumpflanzaktion 1987, Veranstaltungen zur  Umweltbildung mit  jährlichen Wochenendseminaren und Vorträgen in Kirchgemeinden sowie die Teilnahme an regionalen und überregionalen Treffen kirchlicher Umweltgruppen. Darüber hinaus verfassten Mitglieder der Gruppe Eingaben an staatliche Stellen und berichteten in der lokalen Kirchenpresse über ihre Aktivitäten.

 

 

Ökologieseminare 1985-1991

 

Die Schweriner Ökologieseminare erweckten von Jahr zu Jahr mehr Interesse. Mit bis zu 200 Teilnehmern aus allen Gebieten der DDR entwickelten sie sich in der zweiten Hälfte der 1980iger Jahre zu einem der wichtigsten Treffen der kirchlichen Umweltbewegung in der DDR. Die Seminare boten neben der Informations- und Diskussionsmöglichkeit über staatlich ignorierte oder geheimgehaltene Umweltprobleme auch ein Podium zum Erfahrungsaustausch und zur Abstimmung überregionaler Aktivitäten.

 

Die Seminare fanden jährlich zu folgenden Themenschwerpunkten statt:

 

l  1985: IV. Ökologieseminar „Fremdstoffe in der Nahrung“

          19. – 21. April 1985

          Gemeindehaus der Versöhnungskirche Hubertusstr. 9, Schwerin-Lankow

 

l  1986: V. Ökologieseminar „Müll vermeiden, vermindern, verwerten, beseitigen“

          11. – 14. April 1986

          St. Petrusgemeinde in Schwerin – Großer Dreesch, Ziolkowskistr. 17

 

l  1987: VI. Ökologieseminar 1987 „Stadtgrün – statt grau“

          28. – 29. März 1987

          St. Petrusgemeinde in Schwerin – Großer Dreesch, Ziolkowskistr. 17

 

 

l  1988: VII. Ökologieseminar „Wasserkreislauf in Gefahr“

16. – 17. April 1988

          St. Petrusgemeinde in Schwerin – Großer Dreesch, Ziolkowskistr.  17

 

l  1989: VIII. Ökologieseminar „Das geht auf keine Kuhhaut“

          11. – 12. März 1989

          Katholisches Gemeindezentrum St. Andreas in Schwerin – Großer Dreesch       Galileo-Galilei-Str. 22

 

l  1990: IX. Ökologieseminar “Grün denken und handeln – Mecklenburg wandeln„

          16.– 17. März 1990

          St. Petrusgemeinde in Schwerin – Großer Dreesch, Ziolkowskistr. 17

 

l  1991: X. Ökologieseminar „Vorwärts und nichts vergessen“

          07.– 09. Juni 1991

          St. Petrusgemeinde in Schwerin – Großer Dreesch, Ziolkowskistr. 17

 

Baumpflanzaktion 1987 Schwerin- Großer Dreesch

 

Um zeichenhaft auf die mangelnde Begrünung in dem neu errichteten größten Plattenbaugebiet Schwerins, dem Großen Dreesch, aufmerksam zu machen, führte die Umweltgruppe im Frühjahr 1987 dort eine Baumpflanzaktion durch. Die Pflanzung erfolgte in Abstimmung mit dem VEB Grünanlagen der Stadt Schwerin auf einer Fläche in der Nähe der Petruskirche (Ziolkowskistr. 17) an der Straßenbahnhaltestelle Keplerstraße.

 

Vorträge und Gemeindeabende zu Themen des Umwelt-schutzes

 

Zum Ende der 1980iger Jahre wurden immer mehr Kirchgemeinden auf die Belange des Umweltschutzes aufmerksam. Viele Christinnen und Christen waren interessiert an Informationen, wie sie bereits im Alltag zum besseren Schutz der Umwelt beitragen können. Von staatlichen Stellen wurde dieses Bedürfnis jedoch ignoriert und verdrängt.

 

Die Umweltgruppe befasste sich mit dem Thema Umweltschutz im Haushalt  und hatte hierzu entsprechende Informationen zusammengestellt. Gemeindeabende zu diesem Thema fanden u. a.  in Hagenow und in der Gemeinde der Parchimer St. Marienkirche statt. Außerdem hielt Annette Beleites einen Vortrag zum Thema Umweltschutz im Haushalt während der Tagung der Mecklenburger Pfarrfrauen 1988 sowie im Oktober 1987 vor Schwesternschülerinnen des Schweriner Annahospitals.

 

Zusammen mit der Schweriner evangelischen Stadtjugendarbeit gestaltete die Umweltgruppe am 04. Februar 1989 einen Gemeindejugendabend im Wichernsaal in der Apothekerstr. 48 zu Fragen des Umweltschutzes und des Umweltengagements.

 

Aktion „Mobil ohne Auto“ 1987 nach Stapel (Elbe) und 1989 nach Wittenförden

 

Seit 1981 rief das Kirchliche Forschungsheim in Wittenberg jährlich am Wochenende um den 5. Juni – dem Weltumwelttag - zur Aktion „Mobil ohne Auto“ auf. An diesem Wochenende sollte zeichenhaft auf die Nutzung des Autos verzichtet und die Zeit für eine gemeinsame Unternehmung ohne Auto genutzt werden. Die Schweriner Umweltgruppe griff diesen Aufruf auf und lud in den Jahren 1987 zu einer Radtour nach Stapel (Elbe) und 1989 zu einer Radtour nach Wittenförden (Vorort von Schwerin) ein.

 

Eingaben an staatliche Stellen

 

In der DDR gab es nur die Möglichkeit, mit Eingaben gegen willkürliches Verwaltungshandeln vorzugehen. 

 

Daher wurden immer wieder Schreiben an staatliche Stellen verfasst, um auf unzureichendes, unsinniges oder unkorrektes Handeln staatlicher Betriebe und Einrichtungen aufmerksam zu machen und auf diese Weise dem etwas entgegenzusetzen.

 

Beispielsweise kritisierte Annette Beleites im Juli 1988 in einer Eingabe an den Oberbürgermeister der Stadt Schwerin den exzessiven und offenbar unkontrollierten Herbizideinsatz in der Innenstadt von Schwerin,  bei dem Totalherbizide flächenhaft bis direkt an die Baumstämme ausgebracht wurden.

 

Einsatz gegen brennende Mülltonnen im Stadtgebiet von Schwerin

 

In den Straßen von Schwerin standen große Müllcontainer aus Metall im öffentlichen Raum gleichmäßig im Stadtgebiet verteilt. In diese Container füllten die Bewohner der Innenstadt nicht nur ihren Hausmüll, sondern auch die teilweise noch glühende Asche der Ofenheizung, die während der Heizperiode täglich anfiel. Dadurch entzündete sich häufig das Müllgemisch des gesamten Containers und es bildeten sich immer wieder Schwelbrände mit starker Rauchentwicklung. 

Die Mitglieder der Umweltgruppe sahen dem nicht mehr tatenlos zu. Wer einen brennenden Müllcontainer im Wohnumfeld oder unterwegs bemerkte, suchte die nächste Telefonzelle auf und alarmierte die Feuerwehr. Damit konnte neben dem sofortigem Löschen der Containers auch erreicht werden, dass die Feuerwehr für das Problem sensibilisiert wurde und sich endlich in der Lokalpresse für eine Aufklärung der Bevölkerung einsetzte.

 

Pressearbeit

 

Die Information über Umweltprobleme oder Aktionen der kirchlichen Umweltgruppe in den gängigen staatlichen Tages- und Wochenzeitungen war unter den politischen Verhältnissen in der DDR nicht möglich. Im Gegensatz dazu unterstützte die Redaktion der Mecklenburgischen Kirchenzeitung (MKZ) die Anliegen der Schweriner kirchlichen Umweltgruppe, so dass die Einladungen und Berichte zu Veranstaltungen oder kritische Umweltartikel hier publiziert werden konnten.

 

Presseartikel von Annette Beleites in der MKZ:

 

MKZ 10.05.1987 „Jubilate – Freuet euch!“

 

MKZ 07.06.1987 „Der Zerstörung entgegenwirken“

 

MKZ 16.10.1988 „An die Verantwortung erinnern“ Die Theobalt-Konferenz auf Gotland Teil I

 

MKZ 30.10.1988 „An die Verantwortung erinnern“ Die Theobalt-Konferenz auf Gotland Teil II

 

MKZ 30.10.1988 „Die Atmosphäre in Magdeburg war vertrauter“

 

MKZ 11.11.1988 „Wie arbeiten Gemeinden und Umweltgruppen zusammen?“

 

MKZ 19.02.1989 Nr. 8 Einladung zum VIII. Schweriner Ökologieseminar

 

MKZ 01.10.1989 „Vor und nach der Ernte“ Über Folgen unserer Ernährungsgewohnheiten

 

MKZ 19.11.1989 „Kirchliche Umweltgruppen kamen zu Wort“

 

Weitere Presseartikel von Annette Beleites

 

Politische Ökologie, 18.01.1990 (8. Jahrgang) S. 43 „Die Arbeit der Kirchlichen Umweltgruppen in der DDR“

 

Friedensnetz 5/88 S. 2/3 „DDR – weites Treffen von delegierten Vertretern christlicher Umweltgruppen“ (28. – 30.10.1988)

 

          Presseartikel von Matthias Baerens

 

          MKZ 18.06.1989 Einladung zur Aktion „Mobil ohne Auto“ von Matthias       Baerens

 

          Beitrag über die Mülldeponie „Ihlenberg“ im „Grünbuch der DDR“ vom    

          Kirchlichen Forschungsheim Wittenberg

 

 

Beteiligung an überregionalen Netzwerken der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung

 

Kirchliche Umweltbewegung

 

Teilnahme an den Treffen von Vertretern der Umweltgruppen im kirchlichen Forschungsheim Wittenberg und im Jugendheim Hirschluch ab 1985

 

Unter der Leitung des Kirchlichen Forschungsheimes Wittenberg fanden ab 1988 Treffen von Umweltengagierten aus der DDR mit Umweltbeauftragten westdeutscher evangelischer Landeskirchen statt. Da es in den ostdeutschen evangelischen Landeskirchen keine hauptamtlichen Umweltbeauftragten gab, wählte Herr Gensichen für die Treffen einzelne Vertreter aus den jeweiligen evangelischen Landeskirchen in der DDR aus. Für die ELLKM nahm Annette Beleites an den Treffen teil.

 

Mitarbeit von Annette Beleites  im Umweltbeirat der EKD 1990/91

 

Teilnahme von Annette Beleites an der DDR-weiten Radsternfahrt Potsdam-     Hermannswerder 1983 und 1984

 

Teilnahme an Ökologieseminaren anderer Umweltgruppen, u. a.

 

3. Berliner Ökologieseminar 1986

6. Berliner Ökologieseminar 1989

 

          Unterstützung des Aufrufs vom Ökologischen Arbeitskreis der Dresdener    Kirchenbezirke vom Oktober 1988 „Eine Mark für Espenhain“. Bei           dieser           Initiative wurde um eine symbolische Spende von einer DDR-Mark und eine          Unterschrift gebeten, um der Forderung nach einer Sanierung der

          Braunkohlenveredelungsanlage südlich von Leipzig Nachdruck zu verleihen.

 

          Unterstützung der DDR-weiten kirchlichen Aktion „Saubere Luft für

          Ferienkinder“ Hierbei sollte Kindern in Regionen mit extremer Luftbelastung          die Möglichkeit eingeräumt werden, sich in den Ferien in unbelasteten          Gebieten erholen zu können.  

         

 

Kirchliche Friedensbewegung

 

Teilnahme an den Basisgruppentreffen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM)

 

           - Basisgruppentreffen Kirch Kogel 18- 20. September 1987

 

 - Basisgruppentreffen Rambow 16. – 18. September 1988

 

Arbeitsgruppe Frieden der ELLM (AGF)

 

Wahl von Annette Beleites als stellvertretende Vorsitzende der AGF 1988 (Friedensnetz 5/88 S. 31)

 

Frieden konkret

 

- Teilnahme an der Versammlung Frieden konkret III Schwerin 1985

 

- Teilnahme an der Versammlung Frieden konkret V Leipzig-Connewitz

  27. Februar  – 01. März.1987 und

  Wahl in den Fortsetzungsausschuss 1987/88 als Vetreterin der

  kirchlichen Basisgruppen in der ELLKM

         

- Teilnahme an den Sitzungen des Fortsetzungsausschusses 1987/88

 

Das Plenum der Versammlung Frieden konkret V beschloss mehrere Eingaben, die an unterschiedliche staatliche Stellen in der DDR gerichtet waren. Im Nachgang der Versammlung überarbeitete eine Redaktionskommis-sion, der u. a. Annette Beleites angehörte,  die Schreiben und sandte sie  anschließend an die jeweiligen Empfänger.

 

Eine dieser Eingaben richtete sich an das Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft der DDR und forderte die Aufhebung der Bestimmungen über die Geheimhaltung von Umweltdaten des Ministerrates der DDR vom 16.12.1987.

 

Als Antwort darauf fand am 02.03.1988 ein Gespräch im Rat des Bezirkes Magdeburg, Abteilung Umweltschutz und Wasserwirtschaft, statt, an dem für den Fortsetzungsausschuss Hans-Jochen Tschiche als theologischen Berater und Annette Beleites als Vertreterin der Umweltgruppen teilnahmen.  Erwartungsgemäß führte dieses Gespräch zu keinem konkreten Ergebnis.

 

- Teilnahme an der Versammlung Frieden konkret VI Cottbus 26. – 28.           Februar 1988

 

Mobiles Friedensseminar Vipperow

 

01. – 09. Juli 1987 Teilnahme von Annette Beleites als Gruppenleiterin zusammen mit Christoph Richter für die Paddelgruppe zum Thema Umweltschutz

 

Ökumenische Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung 1988/1989 in der DDR

 

Teilnahme von Annette Beleites und Matthias Baerens als Delegierte der Versammlung

 

12. – 15. Februar 1988 Dresden 1. Treffen der Delegierten

 

                                       Magdeburg   2. Treffen der Delegierten

 

07. – 10. Oktober 1988 Dresden 3. Treffen der Delegierten

 

Länderübergreifendes Treffen Meißen 21. – 23. Oktober 1988

 

Europäische Ökumenische Versammlung „Frieden in Gerechtigkeit“ 15. – 21. Mai  1989 in Basel

 

          Teilnahme als von Annette Beleites und Matthias Baerens als Delegierte und    Vortrag von Annette Beleites im Forum „Verschmutzung von           Fließgewässern“

 

Teilnahme an überregionalen kirchlichen Tagungen zum Umweltschutz

 

Annette Beleites reiste im Auftrag der ELLKM im September 1988 nach Visby (Schweden), um an der Theobalt-Konferenz teilzunehmen. Diese jährliche Zusammenkunft von Vertretern der evangelischen Kirchen des Ostseeraumes fand 1988 zum Thema Umweltschutz statt. Während der Tagung hielt Annette Beleites  einen Vortrag über die aktuelle Situation der kirchlichen Umweltbewegung in der DDR.

 

Auf Einladung der Europäischen Akademie Bayern in München nahm Annette Beleites im Oktober 1989 an einer Tagung mit dem Thema „Ökonomie und Ökologie in Ost und West“ teil, die vom  16. - 20. Oktober 1989  in Leoni (Starnberger See) im Haus Buchenried der Münchener Volkshochschule stattfand. Sie hielt ein Referat zu dem Thema „Die Arbeit der kirchlichen Umweltgruppen in der DDR“.

 

 

Praktischer Naturschutz

 

- Mitarbeit in der Gesellschaft für Natur- und Umwelt  Schwerin

 

Teilnahme an Naturschutz-Arbeitseinsätzen vom Zweckverband Erholungs-wesen im Stadtgebiet Schwerin, u. a. in dem Naturschutzgebiet  „Kaninchenwerder und Großer Stein“ und auf der Insel Ziegelwerder

 

Besuch von Vorträgen zu naturschutzfachlichen Themen z. B. von Professor      Michael Succow

 

Teilnahme an Naturschutzhelfer-Lehrgängen in der Natuschutzstation Müritzhof

 

- Teilnahme an Arbeitseinsätzen anderer Naturschutz- und Umweltgruppen

 

Teilnahme an Arbeitseinsätzen im Naturschutzgebiet „Nonnenhof“ bei Neubrandenburg 1985, 1987, 1988

 

Teilnahme an Arbeitseinsätzen im Jugendheim Hirschluch/Brandenburg 1986, 1987, 1988 unter der Leitung von Hans-Dieter Knapp

 

Naturkundliche Exkursionen

 

Exkusionen mit dem Faltboot in das Donaudelta 1986 und 1988

 

Exkursionen zum Herbstzug der Kraniche auf den Darß

 

Exkursionen in das Grambower Moor bei Schwerin

 

Überwachung durch die Staatssicherheit

 

Als Leiterin der Schweriner Umweltgruppe wurde Annette Beleites von der     Staatssicherheit als feindlich-negative Kraft eingestuft.

 

Im Mai 1987 legte die Staatssicherheit einen Vorgang zur „operativen Personenkontrolle“ (OPK) für Annette Beleites an. Hierzu waren 16  Einzelmaßnahmen vorgesehen, darunter der Einsatz von fünf IM, die Telefon-Überwachung, die Erfassung von West-Kontakten, die Sicherstellung von Fotomaterial, die Einspeicherung von Schriftproben sowie die Überprüfung des unmittelbaren Umgangskreises.

 

Im Januar 1989 wurde von der Schweriner Bezirksverwaltung des MfS ein operativer Vorgang zu Annette Beleites (OV Biologe) eröffnet mit dem Ziel, ihr strafbare Handlungen nachzuweisen.

 

In einer Information der Schweriner Bezirksverwaltung des MfS vom 15.06.1989 wurde Annette Beleites zu den maßgeblichen Inspiratoren und Organisatoren politischer Untergrundtätigkeit im Bezirk Schwerin gezählt.

 

Die Kirchliche Umweltgruppe im Herbst 1989

 

Die Bedingungen für die Arbeit der kirchlichen Umweltgruppe änderten sich ab Herbst 1989 mit den politischen Umwälzungen rapide. Unter den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen wirkte die Umweltgruppe nun unter dem Dach der Grünen Liga weiter und lud bis 1991 zu den jährlichen Ökologieseminaren ein. Während der politischen Übergangszeit von Dezember 1989 bis zur Volkskammerwahl am 18. März 1990 fanden auch in Schwerin Runde Tische zu den wichtigsten Themenschwerpunkten statt. Am Runden Tisch für Umweltschutz wechselten sich Matthias Baerens und Annette Beleites als Vertreter der Grünen Liga ab. Sie konnten hier auf Grund ihrer langjährigen Aktivitäten im Umweltschutz wichtige Impulse einbringen.