Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Karow: Schüler verweigern unangekündigte Russischarbeit

1. Februar 1981

Jugendopposition Lehrer Solidarność

„Im Februar 1981 verweigerten die Zehntklässler der POS Karow geschlossen eine unangekündigte Russischarbeit. Einer der Schüler sagte, sie machten es wie in Polen, dort hätten die Arbeiter auch nur Gutes vom Streik. ‚Daraufhin lachte die Klasse, weil sie es als einen Spaß auffaßten.‘ Diese Lehrerin meldete den Vorfall zunächst weder der Partei- noch der Schulleitung, was ihr später als politische Nachlässigkeit vorgehalten wurde. Die Weigerung war aus vielen Gründen brisant: zunächst war es inakzeptabel, dass die Schüler sich der Anweisung der Lehrerin widersetzt hatten. Die KSI prüfte aber auch, ob die Tatsache, dass die Schüler ausgerechnet eine Russischarbeit boykottiert hatten, politische Hintergründe habe. Der Junge, der die Bemerkung über die unabhängige polnische Gewerkschaft Solidarność gemacht hatte, war kein Mitglied der DSF und seine Schwester und seine Großeltern hatten die DDR verlassen. Seine positive Bezugnahme auf die Solidarność war ebenfalls unerwünscht. Die FDJ-Leitung der Klasse wurde kritisiert, weil sie diese ‚konterrevolutionäre‘ Bemerkung als Scherz aufgefasst hatte. Im Nachhinein wurden Klassen-, Partei- und Schulleitung gerügt, weil sie die Behörden nicht unverzüglich informiert hatten. Die Kreisschulinspektion dagegen informierte die Kriminalpolizei über den Vorfall und in der Klasse und im Elternaktiv gab es diverse ‚Aussprachen‘ zu dem Thema. Eine Strafe für die unbotmäßigen Schüler ist in den Akten nicht festgehalten.“[1]

[1] Fricke, Carolin: Politisch bedingte Konflikte von Jugendlichen im Bezirk Schwerin 1971 – 1989, 2012,  S. 175f. file:///C:/Users/cwunni/Desktop/fricke_diss.pdf