Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin: Junge Christen werden bei Pfingstdemonstration abgedrängt

22. Mai 1983

Evangelische Offene Jugendarbeit Pfingsten 1983

Der ehemalige Schweriner Jugenddiakon Claus Wergin erinnert sich an die kirchliche Jugendarbeit in den 1980er Jahren: „Es gab keine Kooperationen mit der FDJ oder anderer staatlich geleiteter Jugendarbeit. Nur einmal, Pfingsten 1983, bat der Schweriner FDJ-Sekretär die evangelische Jugend Schwerins, sich an einer Friedensdemonstration als engagierte Christen zu beteiligen, mit dem fatalen Ausgang, dass die christlich geprägten Teilnehmer mit ihren eigenen Plakaten von der Demonstration abgedrängt und geheimpolizeilich festgesetzt wurden.“[1]

Der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Heinz Ziegner vertrat später „die Auffassung, daß es sich bei den kirchlichen Amtsträgern, Kirchgemeinderäten usw. um Bürger unseres Staates handelt, mit denen wir wie mit allen anderen offen, prinzipiell, also ohne besondere Vorsicht reden können. Am Beispiel der Eingabe einer Gruppe christlicher Bürger, die wegen ihrer Losungen von der Friedensdemonstration zu Pfingsten ausgeschlossen wurden, schilderte Genosse Ziegner, daß manche ihm gegenüber sofort gesagt hätten, 'jetzt werden wir aber Ärger kriegen.'. An der bekannten Reaktion des Generalsekretärs unserer Partei auf diese Eingabe, wies er nach, daß es zu einer solchen Zurückhaltung gar keine Veranlassung gab."[2]

[1] Auskunft Claus Wergin gegenüber dem Autor. Vgl. https://books.google.de/books?...

[2] "Aktenvermerk über die Diskussion im Sekretariat der Bezirksleitung zur Vorlage Kirchenpolitik am 30. 6. 83" vom 4. Juli 1983, MLHA BL SN VE-2/14/ 388 Bl. 66.