Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin: CDU-Abgeordneter rechnet mit sowjetischer Besatzungsmacht ab

1. August 1950

CDU

Ich hatte ständig Kontakt mit dem Leiter des Ost-Büros in Westberlin (‚Kaiser-Corso‘), Werner Jöhren, früher Landrat von Rügen und Landtagsabgeordneter. Im Landesvorstand hatte ich viele Feinde, weil ich ein grundsätzlicher Gegner der Sowjetmacht war und die Maßnahmen der russischen Besatzungsmacht anprangerte und ablehnte. Meine letzte große oppositionelle Rede hielt ich, als der Ministerpräsident Höcker eine große fünfstündige Rede hielt: ‚Fünf Jahre demokratischer Aufbau in Mecklenburg‘. Ich habe als Oppositionsredner der CDU fast ebenso lange gesprochen. Meine Ausführungen gingen in einem fast ununterbrochenen Tumult unter, denn ich habe eine scharfe Abrechnung gehalten, zuletzt marschierte der Pöbel im Schloßhof auf und brüllte: ‚Wir fordern den Rücktritt des reaktionären Ministers Dr. Witte!' Am Schluß meiner Rede ertönte brausender Beifall von CDU und LDP. Nach der Sitzung mußte ich sofort zu Oberst Ziganow von der SMAD, wo ich als übler Provokateur beschimpft wurde und mir versichert wurde, ich käme nach Sibirien. Die Zeitung der CDU ‚Der Demokrat‘ brachte in großer Überschrift: ‚Küchler sprach für die CDU. Der genaue Wortlaut seiner Rede wird in der morgigen Ausgabe gebracht.‘ Das wurde von der SMAD verboten.“[1]



[1] Joseph Küchler: Opposition in Rostock, in: Brigitte Kaff: Widerstand und Verfolgung in der sowjetischen Zone/ DDR, Düsseldorf 1995, S. 229f.

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