Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Raguth: Frau von Bernstorff gehörte der Bekennenden Kirche an

1. Januar 1935

Bekennende Kirche Widerstand aus der Evangelischen Kirche

Die Mutter des auf Schloss Wotersen in Schleswig-Holstein ansässigen Grafen Hugo von Bernstorff wohnte auf dem Gut Raguth. Wie ihr Gutsnachbar Graf Hardenberg gehörte sie der Bekennenden Kirche an. Im Jahr 1935 ließ sie den von der Kirchenleitung geächteten  Vikar Bard im Schloss Raguth predigen. Daraufhin schrieb Landesbischof Schultz an Gauleiter Friedrich Hildebrandt: "Die adeligen Störenfriede sind immer noch nicht bereit den Kampf um ihre Macht aufzugeben.“  Hildebrandt ließ Vikar Bard nachts von Uniformierten überfallen und verprügeln. Graf Hardenberg wurde außerdem wegen seiner jüdischen Ururgroßmutter als „Judenstämmling“ und Graf Bernstorff als „ausgesprochener Monarchist und Reaktionär“ diffamiert. Letzterer hatte sich bereits 1934 geweigert, auf seinem Gut eine Hitler-Eiche zu pflanzen.[1]

[1] Vgl. Kasten, Bernd: Herren und Knechte. Gesellschaftlicher und politischer Wandel in Mecklenburg-Schwerin 1867-1945, Bremen 2011, S. 442ff.