Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Neustrelitz: Neues Forum bildet sich

7. Oktober 1989

Friedensgebete Neues Forum Pastoren während der Friedlichen Revolution

Aus einem Kreis von Theaterleuten, Mitarbeitern des Gesundheitswesens und anderen bildete sich laut Pfarrer Arnold Zarft „das Neustrelitzer ‚Neue Forum‘. Der Ort, wo die Leute sich versammelten, war die Stadtkirche. Sie versammelten sich zu Friedensgebeten, zuerst kamen etwa 40-50 Leute, eine Woche später waren wir 250 bis 300. Und dann war die Kirche voll. Nach dem Friedensgebet am 7. Oktober sagte mir ein junger Mann: ‚Pastor, das ist die Wahrheit, die Sie gesagt haben. Aber ich bringe Sie nach Hause, damit ich weiß, ob Sie gut angekommen sind.‘"[1] Nach diesem ersten Friedensgebet  entschlossen sich die Bürgerrechtler, in Neustrelitz solche gut vorbereiteten Versammlungen jede Woche mittwochs durchzuführen. Sie verliefen nach einem wohldurchdachten Plan. In der Regel bestand das Friedensgebet aus einer Begrüßung, einem Gebet, einem Vortrag, der Diskussion zu Tagesthemen und dem abschließenden Singen des Kanons ‚Dona nobis pacem...‘. Häufig wurde auch Zeitungsschau gehalten. …. Nach der Maueröffuung am 9. November verringerte sich allmählich die Zahl der Teilnehmer an den Friedensgebeten in der Stadtkirche. Die Jugendlichen, die vorher dort einen großen Teil der Besucher ausgemacht hatten, waren nun weniger vertreten, und ab dem 29. November 1989 entschloß sich der Vorbereitungskreis, die Kerzenmärsche alle zwei Wochen abzuhalten. Kurz vor den Volkskammerwahlen fand das letzte Wende-Friedensgebet am 7. März 1990 statt.“[2]

[1] Arnold Zarft und die Wende in Neustrelitz. Pastor i..R. Arnold Zarft erzählt, in: Neustrelitzer Kulturrat e. V. (Hg.): Die Wende in Neustrelitz. September 1889–3. Oktober 1990. Eine Dokumentation, Neustrelitz 2000.

[2] Ebenda, S. 21-25.

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