Widerstand in Mecklenburg-Vorpommern

Güstrow: Uwe Johnson nicht nur Antikommunist

1. Januar 1959

Antikommunismus Literatur

Die einhellige Verherrlichung Uwe Johnsons von der westdeutschen Kritik sei … auf das Grundthema seiner Werke, die deutsche Teilung, zurückzuführen: die Kritiker … hätten in Johnson nicht nur ein überdurchschnittliches Talent, sondern auch den ‚politischen‘, antikommunistischen Autor erblickt, dessen sie damals bedurft hätten. Zwar würden Johnsons erste Bücher den Eindruck machen, dass es sich bei ihrem Autor tatsächlich um einen Antikommunisten handele. In den ‚Mutmassungen‘[1] verkörpere die in die Handlung eingreifende Tätigkeit Rohlfs’ eine bestimmte Sorte der Politik und verursache (indirekt oder direkt) eine unheilvolle Atmosphäre (Jakobs Tod, Jonas’ Inhaftierung). Die Bücher würden zudem direkte Ausfälle gegen die sozialistischen Länder enthalten. So werde beispielsweise im ersten Roman die wahre Deutung des Personenkultus verzerrt. Ebenso antisozialistisch sei der Umstand, dass sowohl Jonas Blach als auch sein Professor vom Sozialismus enttäuscht und zurückgetreten seien. Und auch in Johnsons zweitem Roman scheine Achim T. aus schlechten Propaganda-Büchern entliehen zu sein: ein aus Eisenbeton bestehender mitleid- und geistloser Roboter von Sport und Politik. Aber trotz aller dieser markanten Merkmale der antikommunistischen Literatur sei es nicht richtig, und das habe sogar die westdeutsche Kritik (z.B. Erhart Kästner) einräumen müssen, diese Bücher als eines der Muster von antisowjetischer und antidemokratischer Lektüre zu betrachten. ‚Tja, es wäre zu simpel, Uwe Johnson zu jenen Kerlen anzurechnen, die den Antikommunismus zu ihrem Geschäft gemacht haben!‘“[2]

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/...

[2] Sacharov, Jurij:  Uwe Johnson in der ehemaligen Sowjetunion: Eine kritische Bilanz einer Rezeptionsgeschichte, in: S. 116

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